Seilbahn-Koblenz
in Koblenz und Köln schweben die Gondeln bereits über den Rhein. Ob Bonn auch eine Seilbahn bekommt, steht noch in den Sternen. © Skyglide Event Deutschland GmbH

Alles Gute kommt von oben?

Das Seilbahnprojekt vom Bonner Bogen zum Venusberg hat viele Befürworter, aber auch Gegner.

Erschienen in Hallo Bonn! 2go – Ausgabe 01 / 2018

Lautlos setzt sich die Kabine in Fahrt, nach wenigen Minuten ist der Rhein erreicht und der Blick der Fahrgäste schweift vom Kameha-Hotel im Bonner Bogen mit dem Siebengebirgspanorama über den Fluss, vorbei an Post-Tower und ehemaligem Regierungsviertel hinauf zu den sanften Hängen und Hügeln des Venusbergs. Nach rund zehn Minuten ist dann die Endstation erreicht, die Fahrgäste steigen aus und streben ihrem Ziel auf dem Gelände der Uniklinik entgegen. Wenn es nach dem Willen von Johannes Frech geht, könnte diese Vision bereits in ein paar Jahren Realität geworden sein und wichtigen Beitrag zur Behebung der Bonner Verkehrsprobleme leisten.

Frech vertritt eine Gruppe verschiedener Bonner Umwelt- und Verkehrsverbände – vom ADFC über VCD , BUND und NABU bis zum Asta der Universität und einer Anwohnerinitiative vom Venusberg – die sich für das neue Verkehrsmittel einsetzen: „Bonn erstickt im täglichen Autostau, aber der vermehrte Einsatz von Bussen und Straßenbahnen stößt an seine Grenzen“, glaubt er. Die stünden dann zusammen mit den Autos im Stau. Auch das Fahrrad sei für viele Menschen keine echte Alternative: „Da spielt das Wetter eine Rolle, aber natürlich auch die Topographie und die Straßenverhältnisse.“ Es sei schlicht nicht jedermann Sache den Venusberg heraufzuradeln; ganz abgesehen von jenen, die das aus körperlichen Gründen gar nicht könnten.

Eine Seilbahn könnte da eine gute Alternative bieten, glauben nicht nur die Vertreter der Initiative. Spätestens, seit vor einigen Jahren die Nachricht eines sehr erfogreichen Seilbahn-Projekts aus der Millionenmetropole La Paz im bolivianischen Hochland die Runde machte, stehen urbane Seilbahnen im Fokus des Interesses. „Kein Wunder“, findet auch Rainer Bohnet: Eine Seilbahn unterbiete die Betriebskosten von Bussen und Bahnen auf der selben Strecke, könne komplett mit nachhaltig erzeugtem Strom betrieben werden und greife nur in relativ geringem Maß in die Umwelt ein, so der SPD-Lokal- und Verkehrspolitiker. Das prädestiniere sie doch geradezu für den Einsatz im städtischen Nahverkehr. Denkt man wohl nicht nur in Bonn: Denn auch in der keine 100 Kilometer entfernten Industriestadt Wuppertal, in der wie der Name schon verrät ebenfalls eine Tallage zu überwinden ist, wird aktuell ein Solches Projekt diskutiert.

Eine Seilbahn zum Venusberg – und in Verlängerung über den Rhein nach Beuel – sei technisch machbar und führe grundsätzlich zu einer Verkehrsentlastung, hat auch ein Gutachter-Team im Auftrag der Stadt herausgefunden. Die Experten der Unternehmen VSU, Intraplan Consult und des Ingenieurbüros Sehnal schlagen für eine Realisierung die so genannte Nordtrasse vor: Sie würde vom Uni-Klinikum auf dem Venusberg über den Hindenburgplatz zum neuen DB-Haltepunkt UN Campus verlaufen und – als Option – in Verlängerung mit einer Zwischenstation in der Rheinaue über den Rhein zum künftigen S-Bahn-Haltepunkt Beuel-Ramersdorf am Schießbergweg führen.

„Der nächste Schritt, auf den wir nun warten, ist eine Kosten-Nutzen-Analyse, die das Landesrecht zwingend vorschreibt um solche Projekte mit bis zu 90 Prozent zu fördern“, sagt Frech. Die müsse die Stadt nun dringend auf den Weg bringen, damit das Projekt Formen annehmen kann. Der Wunsch der Initiative ist es nämlich die Seilbahn als einen Teil des öffentlichen Nahverkerhrs in der Stadt zu etablieren: „Wir haben – das ist sowohl historisch als auch topografisch bedingt – hier in Bonn ja hauptsächlich Linien in Nord-Süd-Richtung“, erläutert er. Und um diese zu verbinden sei die Seilbahn einfach ideal: Über einen Haltepunkt in Ramersdorf würde die Seilbahn mit der Stadtbahn und der gerade im Bau befindlichen S13 verknüpft. Linksrheinisch könnten die Wohngebiete Kessenich und Dottendorf an das Bundesviertel mit seiner Vielzahl von Arbeitsplätzen angeschlossen werden.

Das glaubt man auch bei der Bonner IHK: Auf ihrer Vollversammlung im vergangenen Herbst hatte die Handelskammer unter drei Voraussetzungen ebenfalls deutlich für den Bau der Bahn ausgesprochen: Wichtigste Prämisse sei die Aufnahme der Seilbahn in den ÖPNV-Bedarfsplan, damit die Baukosten zu 90 Prozent vom Land getragen würden. „Ferner muss die Seilbahn so konzipiert sein, dass sie zur Lösung der verkehrlichen Herausforderungen des Universitätsklinikums und der großen Arbeitgeber im Umkreis des Johanniterviertels und der Friedrich-Ebert-Allee beiträgt“, erläuterte IHK-Präsident Stefan Hagen: „Die Seilbahn muss deshalb nicht nur über den Rhein führen, sondern auch Um- und Ausstiegsstationen am Bundesviertel, dem neuen Haltepunkt „UN-Campus“ und an den rechtsrheinischen U- und S-Bahnhöfen haben.“ Außerdem müsse das neue Verkehrsmittel „multimodal“ an den Schienen- und den Autoverkehr angebunden sein, um zu einer nennenswerten Entlastung des PKW-Verkehrs beizutragen. „Es müssen deshalb hinreichend Park&Ride-Möglichkeiten geschaffen werden – auch außerhalb der Stadtgrenzen -, die den Umstieg von Auto und Bahn auf die Seilbahn erleichtern und damit Brückenverkehre reduzieren“, so Hagen.

„Entlang der Trasse gibt es grob geschätzt mindestens um die 20.000 Arbeitsplätze“, so Frech: „Das direkte Einzugsgebiet reicht vom von Ramersdorf über das Tulpenfeld, den Posttower, den UN-Campus, die Deutschen Welle und den Museumsbereich bis zum Uniklinikum mit allen seinen angeschlossenen Inststituten und würde auch die beiden neuen Bahnhaltestellen verbinden.“

An den einzelnen Haltepunkten sollen nach den Vorstellungen der Befürworter Verbindungen zu Bus und Bahn entstehen. „Und in einer weiteren Ausbaustufe könnte man die Strecke bis hinauf in den Ennert führen und mit einem Bus- und P+R-Knoten die Wohngebiete von Hoholz und Holtorf anschließen“, wünscht sich Frech. Von dem in der ersten Ausbaustufe geplanten Wendepunkt Ramersdorf bis zum Venusberg würde es mit den Zwischenhalten rund zwölf Minuten dauern: „Mit dem Auto braucht man je nach Tageszeit für die vergleichbare Strecke mindestens doppelt so lang, bei dichtem Verkehr auch gerne ein ganze Stunde“, so Frech.

Wo Licht ist, ist auch Schatten und so nimmt es wenig Wunder, dass nicht jeder das Projekt befürwortet: Von „Störung der Privatsphäre“, „Einfluss auf die Wohnqualität sowie den Anwohner-Parkraum“, „Schattenwurf“ und „wahrscheinlichem Wegfall des Spielplatzes am Hindenburgplatz inklusive der Wiese zum Ballspielen“ reichen die Befürchtungen der initiative „Bonn bleibt Seilbahnfrei“. Darüberhinaus zweifeln die Gegner die Wirtschaftlichkeit des Projekts an.

Eine derartige „Querspangen-Seilbahn“ zwischen den insgesamt sechs bestehenden Schienenstrecken wäre wohl weltweit einmalig, glaubt hingegen Frech. „Vergleichen kann man das eigentlich nur mit La Paz“ meint er. Im südamerikanischen Altiplano wurden in den vergangenen Jahren bereits drei Strecken realisiert, drei weitere sind in Bau.

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