Urlaub in der Kinderstadt

Holiday in the children‘s town – In „Mini-Beuel“ dürfen sich Kinder zwischen sieben und zwölf Jahren eine ganze Woche lang als Bürgermeister, Straßenbauer oder auch als Müllmann versuchen.

Erschienen in Hallo Bonn! Das Bonner Bürger-Buch Ausgabe 2019

Eigentlich wirkt alles ganz vertraut: Am Bankschalter holen die Kunden Geld ab, im Stadtzentrum wird gerade eine neue Straße befestigt, gleich nebenan leert die Müllabfuhr die vollen Tonnen und an der Theke des Cafés diskutieren die Bürger darüber, ob die Wahl des Bürgermeisters wirklich einen geeigneten Kandidaten hervorgebracht hat. Allerdings sind alle Protagonisten auffällig jung, am Bankschalter werden „Beulis“ statt Euro ausgezahlt und der Bürgermeister bleibt nur eine Woche im Amt.

„Kinder an die Macht“, hat sich die Bochumer Pop-Ikone Herbert Grönemeyer schon in den Achtzigern gewünscht und im Rheinland gibt es einen Ort an dem das bereits seit neun Jahren Realität ist. Zumindest alle zwei Jahre für jeweils zwei Wochen: Denn dann entsteht auf dem Gelände einer ehemaligen Stadtgärtnerei „Mini-Beuel“ – die Stadt von und für Kinder. „Mini-Beuel ist eine Spielstadt von Kindern für Kinder, in der die alltäglichen Abläufe einer Stadt spielerisch erfahren und gelebt werden“, erzählt Elisabeth Koppitz von der Jugendfarm. Die Farm ist eine offene Freizeiteinrichtung in der Kinder und Jugendliche ab sechs Jahren Tiere pflegen oder Buden bauen können, dazu basteln, malen, werken, Fußball spielen und viele weitere Abenteuer erleben. Simuliert wird eine Stadt im Kleinformat, in der die Kids komplexe Zusammenhänge wie Arbeitswelt, Steuern, politisches System oder Geldkreislauf praxisnah und altersgerecht aufbereitet erleben können.

Das Kooperationsprojekt von Jugendfarm, dem Verein „Kleiner Muck“, der evangelischen Kirchengemeinde Beuel und der katholischen Jugendagentur Bonn findet seit 2009 all zwei Jahre in den Sommerferien statt. Das Gelände der ehemaligen Stadtgärtnerei im Bonner Osten könnte abenteuerlustigen Kindern kaum mehr Möglichkeiten bieten: Vorne im Eingangsbereich konzentrieren sich die Gebäude, in denen die Pänz an regnerischen Herbst- und Wintertagen drinnen spielen können. Das passiert aber gar nicht so oft, wie man beim Blick auf die Wetterkarte manchmal denken könnte: „Regen hält kaum eines unserer Kids davon ab, sich draußen seine kleinen Abenteuer zu suchen“, weiß Koppitz. Die Sozialpädagogin managt die Einrichtung seit nunmehr zwei Jahren.

Die Idee 1984 aus einer Gärtnerei eine Jugendfarm zu machen stammt von einer kleinen Gruppe junger Leute – größtenteils Pädagogikstudenten. Sie orientierten sich an einem Modellprojekt von Edgar Böhm in Stuttgart. Man lud den als Vater der Jugendfarmbewegung bekannten Architekten nach Bonn ein, hatte aber trotz grundsätzlicher Unterstützung der Stadt bei der Suche nach einem geeigneten Grundstück große Probleme zu überwinden.

1984 kam dann das Angebot, das Gelände der ehemaligen Stadtgärtnerei am Holzlarer Weg zu nutzen. Die Gewächshäuser wurden abgerissen, das Gelände mit neuem Boden bedeckt; es wurde ein Hügel aufgeschüttet und die ehemaligen Wirtschaftsgebäude der Stadtgärtnerei zu den heutigen Aufenthaltsräumen umgebaut. Am ersten Juni 1985 konnte die Farm mit einem großen Einweihungsfest eröffnet werden, die Stadt unterstützt den Verein seither mit Personal- und Sachkostenzuschüssen. „Trotzdem würden wir ohne Spenden oder unsere Sponsoren nicht das Angebot auf die Beine stellen können“, so Koppitz zur finanziellen Situation. Ein Satz, der auch für Mini-Beuel gilt: Das riesige Angebot, das sich mittlerweile nicht nur auf dem eigentlichen Farmgelände abspielt, sondern auch auf einer gegenüberliegenden Wiese samt Bolzplatz, wäre ohne ehrenamtliches Engagement, Sponsoren, Spenden und Fördergelder undenkbar.

Die teilnehmenden Kinder erleben ein städtisches Gemeinwesen und das soziale Miteinander in einer Demokratie, in der sie lernen gemeinsam Lösungen zu entwickeln und Verantwortung zu übernehmen. Dabei stehen den Kindern jugendliche Helfer tatkräftig zur Seite: Unter der Devise ‚Anleiten zum Selbermachen’ unterstützen sie die Kleinen. Bereits zum zweiten Mal werden sie dabei von Altersgenossen aus Tunesien unterstützt: Ähnliche Jugendprojekte gibt es nämlich auch am südlichen Ufer des Mittelmeers und die Bonner stehen mit ihren Kollegen aus „Mini-Tunis“ in regem Kontakt. So erfahren Jugendliche aus beiden Ländern Werte wie Toleranz und Respekt und können sie an die Jüngeren weitergeben.

Jeweils eine Woche lang, vom 22. bis zum 26. Juli und vom 29. Juli bis zum 2. August wird Mini-Beuel 2019 seine Tore öffnen. Das ist die zweite und die dritte Ferienwoche. Pro Woche können 300 Kinder im Alter von sieben bis zwölf Jahren teilnehmen. Anmelden kann man sich jeweils nur für eine Woche. Das genaue Anmeldeprozedere ist seit dem ersten Dezember auf der Projekt-Homepage erklärt: Interessierte Eltern können ihre Kinder vom 21. Januar bis zum 8. Februar mit der Abgabe einer Interessensbekundung voranmelden. „Die Reihenfolge der Anmeldungen spielt dabei keine Rolle“, so Koppitz. Wenn mehr Interessensbekundungen eingehen, als Plätze vorhanden sind, werde man eine faire Auswahl treffen. Ebenfalls über die Homepage können sich ab Dezember auch die Betreuer anmelden: Insgesamt rund 70 Jugendliche zwischen 16 und 27 Jahren werden gesucht. Auf ihren Einsatz vorbereiten können sich die Jugendlichen bei einem Betreuer-Wochenende im Mai und darauffolgenden treffen in Kleingruppen.

Diese Flagge sehen Sie, wenn nachfolgen ein Text auf Englischer Sprache zu lesen ist.

In „Mini-Beuel“, children between the ages of seven and twelve are allowed to try for a whole week as mayor, road builder or garbage collector.

Actually, everything seems very familiar: At the bank counter, customers pick up money, in the city centre a new street is getting fixed, right next door the garbage collection empties full tons and at the bar of the café citizens discuss whether the election of the mayor really has produced a suitable candidate. However, all the protagonists are noticeably young, at the bank counter „Beulis“ are paid in instead of the euro and the mayor is only a week in office. „Children to power“, the Bochum pop icon Herbert Grönemeyer has wished this in the eighties and in the Rhineland, there is a place where this has been a reality for nine years. At least every two years for two weeks at a time: Because then, on the site of a former city nursery, „Mini Beuel“ – the city of and for children – is being built. „Mini Beuel is a play town of children for children, in which the everyday processes of a city are experienced and lived playfully,“ says Elisabeth Koppitz of the children farm. The farm is an open recreational facility where children and adolescents from the age of six can care for animals or build stalls, do handicrafts, paint, work, play football and experience many more adventures. A miniature city is simulated, in which the kids can experience complex relationships such as the world of work, taxes, the political system or the circulation of money in a practical and age-appropriate way.

The cooperation project of Jugendfarm, the association „Kleiner Muck“, the Protestant parish of Beuel and the Catholic Youth Agency Bonn has been taking place every two years since 2009 during the summer holidays. The site of the former city nursery in the east of Bonn could hardly offer adventurous children more opportunities: In front of the entrance area, the buildings concentrate in which the Pänz can play indoors on rainy autumn and winter days.
However, that does not happen as often as one might think when looking at the weather map: „Rain hardly keeps any of our kids from looking outside for their little adventures,“ says Koppitz. The social worker has been managing the facility for two years now. The idea of making a children farm out of a nursery in 1984 came from a small group of young people – mostly pedagogical students. They were based on a model project by Edgar Böhm in Stuttgart. The architects, known as the Father of the Youth Farm Movement, were invited to Bonn, but despite the city‘s fundamental support, they had to overcome great problems in their search for a suitable site.

In 1984 came the offer to use the grounds of the former city nursery on Holzlarer Weg. The greenhouses were demolished, the terrain covered with new soil; a hill was heaped up and the former outbuildings of the municipal gardening were converted into today‘s lounges.

On June 1, 1985, the farm was opened with a big inauguration party, and the city has been supporting the club with personnel and material costs. „Nevertheless, we would not be able to make the offer without donations or our sponsors,“ said Koppitz on the financial situation. A sentence that also applies to mini-Beuel: The huge offer, which now takes place not only on the actual farm site, but also on a meadow opposite, including football field, would be unthinkable without volunteering, sponsors, donations and subsidies.

The participating children experience a city community and social interaction in a democracy in which they learn to develop solutions together and take responsibility. In doing so, young helpers actively support the children: They support the little ones under the motto „Do it yourself“. For the second time, they are being supported by peers from Tunisia. Similar youth projects are also on the southern shores of the Mediterranean and the people of Bonn are in close contact with their colleagues from „Mini-Tunis“. In this way, young people from both countries experience values such as tolerance and respect and can pass them on to the younger generation.
Mini-Beuel 2019 will open its doors for one week each, from the 22nd to the 26th of July and from the 29th of July to the 2nd of August. This is the second and the third holiday week. Each week, 300 children between the ages of seven and twelve can participate. You can only sign up for a week. The exact registration procedure has been explained since the first of December on the project homepage www.mini-beuel.de: Interested parents can pre-register their children from 21st January to 8th February by submitting an expression of interest. „The order of registrations does not matter,“ says Koppitz. If more expressions of interest are received than there are seats, they will make a fair choice. The supervisors will also be able to register via the homepage as of December: A total of around 70 young people between the ages of 16 and 27 will be sought. The young people can prepare for their assignment during a weekend of carers in May and subsequent meetings in small groups.

Lesen Sie auch Teil 2 unseres Magazins Hallo Bonn! Das Bonner Bürger-Buch Ausgabe 2019

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