Hobeln
Wo gehobelt wird, da fallen Späne, und in der Schreinerei sowieso.

Sparfuchs oder Heimwerkerkönig?

Warum wir Dinge selber machen wollen, kann viele Beweggründe haben: Die einen haben schlicht kein Geld um einen Fachmann zu beauftragen; für andere wiederum ist die Herausforderung das Entscheidende: Wir stellen die zwei Heimwerkertypen vor und analysieren ihre speziellen Bedürfnisse.

Erschienen in Hallo Bonn! 2go – Ausgabe 02 / 2018

Jeder Jeck ist anders sagt man im Rheinland. Und jeder Heimwerker auch. Da gibt es Zeitgenossen, die sich von ihren zwei linken Händen niemals davon abbringen ließen, trotzdem im Haus oder der Wohnung alles selber machen zu wollen. Und da gibt es die Heimwerkerkönige, die auch ohne entsprechende Ausbildung aus einem Siebziger-Jahre-Bad eine topmoderne Wellness-Oase zaubern oder einen Kleiderschrank bauen können, der manchen Schreiner alt aussehen ließe. „Manchen muss man schon etwas bremsen“, sagt Josef Kolb. Der Tischlermeister betreibt in vierter Generation einen der größten Handwerksbetriebe der Stadt und warnt davor, zu blauäugig aktiv zu werden: „Egal, ob Neu- oder Altbau – vor Eigenarbeiten außen am Haus kann ich nur warnen“, erklärt er. Auch alles, was mit Elektrik, Gas und Wasser zu tun habe, sei aus Sicherheitsgründen mit äußerster Vorsicht zu betrachten. Und das habe nicht nur mit handwerklichem Geschick zu tun. Die schiere Unzahl gesetzlicher Bestimmungen – von der Energieeinsparungsverordnung bis zur Bauordnung – sei so unübersichtlich geworden, dass man sich als Heimwerker kaum tief genug einarbeiten könne, um alles zu berücksichtigen.

Und auch rein fachlich sei vieles, was dem Laien auf den ersten Blick ganz einfach erschiene, bei genauerem Hinsehen alles andere als trivial: „Schauen Sie sich zum Beispiel mal die Fenster an“, so Kolb: „Einfach schnell Maß nehmen, damit zum Fensterbauer seiner Wahl gehen, ein paar Wochen später die fertigen Fenster abholen und dann ruckzuck selber einbauen.“ Genau so stellten manche Zeitgenossen sich das vor, erzählt er. Zu derlei Aktionen könne er aber tatsächlich nur echten Profis raten: Beim Einbau neuer Fenster werde nämlich die Bauphysik des Gebäudes geändert und es könne zu Schimmelbildung kommen. Zunächst müsse man daher wissen, wo beispielsweise die Feuchtigkeit in die Fugen geht. Und beim Maßnehmen sei äußerste Präzision unabdingbar. Selbst, wenn sich die Heimwerker nicht vermessen hätten und die gefertigten Fenster exakt passen würden, sei es mit ein paar Dosen Bauschaum und einer Hand voll Schrauben und Nägeln ja nicht getan: So ist der Wärmedurchgangskoeffizient als Maß für den Wärmedurchgang bei weitem nicht jedem Heimwerker bekannt: „Ein Haus verliert aber gerade an den Fenstern oftmals zu viel Energie und die Verbindung zwischen Wand und Fenster sei in diesem Kontext zum Beispiel eine sehr sensible Stelle“, so der Fachmann. Auch zum Einbruchschutz sollte man sich beraten lassen: Hier biete zum Beispiel die Bonner Polizei Vor-Ort-Beratungen an. Deutlich einfacher zu realisieren sei hingegen der Einbau von Innentüren. Und das nicht, weil es technisch weniger aufwendig sei, sondern weil die Konsequenzen im Falle des Misslingens einfach deutlich weniger gravierend seien. „Der do it yourself-Gedanke an sich ist ja etwas, dass ich als Handwerksmeister durchaus unterstütze“, so Kolb. Es sei ja keinesfalls so, dass dem Handwerk dadurch Aufträge verloren gehen würden.

Aber zurück zu den beiden eingangs erwähnten Heimwerkertypen: Wem es in erster Linie nur ums Geld sparen geht, der sollte sich zunächst einmal fragen “Was traue ich mir wirklich zu?“. Und er sollte bei der Beantwortung dieser Frage lieber ein bisschen zu selbstkritisch sein. Denn das alte Sprichwort, „wer zu billig kauft, kauft zweimal“, hat auch für den Heimwerker seine Berechtigung. Was nützt es, wenn ich versuche, zum Beispiel das alte Parkett in meinem Haus selber abzuschleifen, wenn es am Ende dann aber einer Buckelpiste gleicht. Die kritische Einschätzung der eigenen Fähigkeiten sollte also der erste Schritt sein. Der zweite ist sich nicht zu scheuen, kompetente Hilfe in Anspruch zu nehmen.

Dass Handwerker weder Zeit noch Lust haben, als kostenlose Lehrer herzuhalten, liegt eigentlich auf der Hand. Im Netz lassen sich dafür zu fast jedem Projekt Anleitungen finden; oft stammen diese zum Beispiel von Baumärkten, die ja vom Verkauf der benötigten Utensilien leben. Aber auch Online-Ableger von Verlagspublikationen, wie zum Beispiel das Heimwerkerportal „Selbst“ bieten ein ganzes Füllhorn von Anregungen. Wer sich ein wenig Zeit nimmt, sich die jeweiligen Anleitungen genau durchliest und das ein oder andere Video schaut, der gewinnt schnell ein Gefühl für die Komplexität der jeweiligen Arbeit. So kann man bereits gut abschätzen, was man sich zutraut.
Probleme, die gewiefte Heimwerkerkönige wohl eher nicht kennen dürften. Aber auch, wer handwerklich geschickt ist und bereits verschiedene Projekte erfolgreich umgesetzt hat, sollte sich vor bestimmten Fallen hüten: Zum einen befreit einen handwerkliches Geschick nicht vor der Verpflichtung gesetzliche Rahmenbedingungen einhalten zu müssen: „Die muss ein Handwerker natürlich kennen – schließlich haftet der ja nach Ende der Arbeiten auch dafür, dass alles korrekt umgesetzt wurde“, weiß Kolb. Vielen Heimwerkern ist aber oft gar nicht bewusst, dass sie für bestimmte Projekte eine Genehmigung benötigen:
Wer zum Beispiel nur einen Geräteschuppen in seinen Garten stellen will, um darin seinen Rasenmäher und diverse andere Gartengeräte unterzubringen, der braucht an eine Baugenehmigung in den meisten Fällen keine Gedanken zu verschwenden. Wer hingegen ein Gartenhaus oder einen Carport plant, sollte zuvor bei der Stadt erfragen, welche Genehmigungen einzuholen sind: Die richten sich zum einen danach, ob ein Fundament geplant ist; in diesem Fall ist eine Baugenehmigung zwingend. Zum anderen ist aber auch entscheidend, wie groß der Bau werden soll: In Bonn ist ein Gartenhaus oder ein Geräteschuppen bis zu einer Größe von 30 Kubikmetern genehmigungsfrei. Die Details sind aber zum Beispiel von Gemeinde zu Gemeinde unterschiedlich, weshalb man sich vor dem Start genau erkundigen sollte. Für das Bonner Stadtgebiet findet man wichtige Tipps, Ansprechpartner und häufig gestellte Fragen samt Antwort im Webangebot der Stadt.

Trotzdem gibt es genug Projekte, die fast jeder mit ein wenig Vorbereitung, Geschick und Energie problemlos stemmen kann: Dazu gehören die Verlegung von Teppichböden oder eines einfachen Klick-Parketts genauso, wie Maler- und Tapezierarbeiten oder das Selberbauen von Möbeln. Bei Letzterem unterstützt auch Tischlermeister Kolb mit seinem Team kreative Heimwerker: „Wer zum Beispiel eine ganz genaue Vorstellung von seinem Wunschmöbelstück hat, kann mit einem Plan zu uns kommen und wir stellen die Einzelteile in handwerklicher Qualität für ihn her.“ Das Zusammenbauen und Verleimen könne der Kunde dann gerne auch
„Ikea-like“ zu Hause erledigen.

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