Urlaub auf Terrasse und Balkon

Bequeme Möbel zum Verweilen. Loungemöbel und selbstgebaute Sitzgelegenheiten aus Paletten liegen im Trend, passen aber nicht auf jeden Balkon.

Erschienen in Hallo Bonn! 2go – Ausgabe 01 / 2018

„Superbequem und ziemlich stylish“, findet Philipp Nehren. Der jung gebliebene Bonner baut mit seinen Mitstreitern einen Skatepark in der Beueler Rheinaue auf und das Lob galt dem Terrassenmobiliar, das Zimmermannsmeister Michael Linde zu dem Projekt beigesteuert hatte. Möbel aus Paletten sind ja aktuell der Renner auf allen Balkonen und Terrassen und natürlich auch im Garten und Linde, der die Skater unentgeltlich unterstützt, hat den Trend zwar einerseits aufgenommen, andererseits aber auch deutlich modifiziert: „Viele kennen das ja“, erzählt der frischgebackene Familienvater: „Mit viel Enthusiasmus macht man sich ans Werk, hat für Material und wahrscheinlich auch für die Paletten dann deutlich mehr ausgegeben, als ursprünglich geplant, aber das Ergebnis ist dann – vorsichtig gesprochen – suboptimal.“ Und genau aus diesem Grund, weil eben nicht jeder ein geborener Heimwerker sei und die Palettenmöbel mittlerweile auch „schon ein bisschen beliebig“ aussähen, hat Linde mit seinen Zimmermännern die Produktlinie „Rohhobler“ entwickelt.

Die kommt – wie der Name ja schon nahelegt – zwar auch etwas derber daher, sieht aber im Gegensatz zu den Paletten nach richtigen Möbeln aus: „Wer hektisch hin und her rutscht läuft Gefahr, sich auch mal einen Splitter einzufangen“, so Linde. Seine Rohhohler seien rau und unberechenbar, würden aber in traditioneller Handwerksarbeit gefertigt und verbänden den angesagten coolen Look mit solider Haltbarkeit. „Als Rohhobler bezeichnen wir Zimmerleute sägeraue Bretter, die normalerweise zur Weiterverarbeitung als Profilbretter oder für die Außenschalung verwendet werden“, so Linde. „Bei der Verarbeitung zu Außenmöbeln haben wir Wert darauf gelegt, dass die Hocker, Sessel oder Tische unsere unverkennbare Handschrift tragen“, so der Zimmermann mit sichtbarem Stolz. Die Haltegriffe aus Schiffstauen machen die Rohhobler unverwechselbar. Für Lindes Zimmermannsbetrieb ist die trendige Möbellinie im Augenblick nur ein kleines aber feines Zusatzgeschäft: „Viele Kunden mögen es aber gerade, dass ihre Möbel nicht nur einzigartig, sondern auch noch quasi vor ihrer Haustüre
hergestellt wurden“, glaubt er.

„Lounges und Chillout-Areas finden sich ja mittlerweile nicht mehr nur in Clubs oder Strandbars, sondern bestimmen zunehmend auch die Ästhetik in unserem Wohnbereich mit“, findet auch Heidrun Lingemann vom Freizeitmarkt Knauber. Dennoch solle man genau überlegen, ob das, was einem im Urlaub oder der Szenebar gut gefällt, auch in die heimische Umgebung passt: „Insbesondere bei der Größe vertut man sich schnell einmal“, glaubt sie. Denn auch, wenn ein Möbelstück rein rechnerisch zum Beispiel so gerade noch auf dem eigenen Balkon Platz finde, könne manches schnell zu wuchtig wirken. Beratung sei schon wichtig, wenn man selber nicht so hundertprozentig stilsicher sei. „Eine opulente Lounge-Garnitur braucht viel Platz und wirkt auf einer relativ kleinen Terrassen oft überdimensioniert“, gibt die Fachfrau zu bedenken. Und schließlich sollen ja auch noch andere Dinge auf dem Freisitz Platz finden: Je nachdem, ob man draußen öfter mit Freunden grillen möchte, bei einem Glas Wein die milden Bonner Sommerabende in trauter Zweisamkeit genießen will, sich gärtnerisch verwirklicht oder ob vielleicht ein sicherer Freiraum für den Nachwuchs entstehen soll,
gilt es beim Möbelkauf jeweils ganz unterschiedliche Schwerpunkte zu setzen.

Aktuell seien insbesondere Loungemöbel in moderner, heller Optik im Trend. Während bis vor einiger Zeit noch „je größer, desto gemütlicher, desto besser“, gegolten habe, seien die Modelle nun wesentlich filigraner und platzsparender: „Und zwar bei gleichem Komfort – so kommen auch
Balkonbesitzer nicht zu kurz“, erläutert sie. Einige Hersteller böten zudem klappbare Sessel oder Tische an, was zusätzlich Platz spare. „Wer auf Nummer sicher gehen will, der misst vorher die Fläche aus, macht eine Zeichnung und nimmt die zum Kauf mit“, rät Lingemann. Ein guter Händler werde dann dafür sorgen, dass sein Kunde zum Schluss auch mit dem Kauf glücklich wird.

Neben dem Platz sollte man auch seinen Wohnstil berücksichtigen: „Auch im Hinblick auf die Optik haben sich die Modelle verändert; mittlerweile lassen sich viele Produkte auch für die Innenraumgestaltung einsetzen“, so die Möbel-Expertin. Das Angebot an unterschiedlichen Möblierungsstilen für draußen stehe dem für Innenräume heute in seiner Vielfältigkeit ohnehin kaum mehr nach.

So findet man auch die bequemen Loungemöbel nicht nur in cooler Rohhobler-Optik, sondern in zahlreichen anderen Materialien. Bereits seit einigen Jahren beliebt und noch immer im Trend sind Aluminium- oder Edelstahl-Gestelle mit wetterfesten, geflochtenen Bezügen aus sogenanntem Polyrattan, einem Kunststoffmaterial das sich in der Optik an das namengebende Geflecht aus Palmstängeln anlehnt. „Die Kissen dazu gibt es mit ganz neuen Outdoorbezügen wie Nanotex und Sunbrella“, erklärt Paul Ahrens. Die fassten sich an wie Baumwolle, seien aber wasser- und schmutzabweisend, so der ehemalige Chef der Beueler Gewerbegemeinschaft, der mit seinem Fachgeschäft für Gartenmöbel inzwischen nach Sankt Augustin umgezogen ist. Egal, ob man seine Freiluft-Oase nun in Landhausoptik oder eher im kühlem Bauhaus-Stil gestalten möchte:
An Auswahl mangelt es jedenfalls nicht.

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